Menhire & Schalensteine

Menhire

Imposant und mystisch erscheinen die großen, rundum mit Gravuren versehenen, einst sogar bemalten Steinmonumente.
Zeitgleich mit dem Mann aus dem Eis fanden sie in Verbindung mit der ersten Kupferverhüttung im Alpenraum Verbreitung.
Die männlichen, weiblichen und geschlechtslosen Figuren werden ihren Merkmalen nach in Gruppen eingeteilt. Die elf Südtiroler und sieben Trentiner Menhire gehören der sogenannten Etschtalgruppe an. Ihnen allen ist die Darstellung eines gefransten Mantels mit senkrecht verlaufenden Streifen gemein. Alle männlichen Stelen zeigen auch Darstellungen von Dolchen mit dreieckiger Klinge (Typ Remedello), die manchmal an einer Perlenkette oder einem Halsring befestigt sind. Auch Beile mit Knieschäftung, Hellebarden, Kampfäxte, Keulen und Bögen mit Pfeilen sind eingraviert. Bei den weiblichen Bildsteinen kommen Kettenbänder, Doppelspiralanhänger, Scheiben und Bekleidungsschmuck wie Stirnbänder mit Perlmutblättchen oder Kupferanhänger vor. Diese in Stein verewigten Elemente erlauben aufgrund des Vergleiches mit Fundstücken aus Gräbern und Siedlungen eine Datierung in die Kupferzeit (3.300 –2.200 v. Chr.).
Das Errichten einer solchen Stele im Rahmen von Kult- und Begräbnisstätten war ein bemerkenswerter schöpferischer Akt. Dieser erstreckt sich von der Wahl des Materials, über die Rohbearbeitung, den Transport bis hin zur Fertigstellung und Aufrichtung.
Figurenmenhire geben eine ideologisch-religiöse Welt wieder, in deren Mittelpunkt mythisierte Vorfahren Helden standen. In ihnen deutet sich auch eine – durch den mit Kupfergewinn verbundenen Reichtum –beginnende soziale Differenzierung nach Stand und Rolle an.

Der Latscher Figurenmenhir

1992 wurde in der Kirche “Unsere liebe Frau auf dem Bichl“ bei Restaurierungsarbeiten des Landesdenkmalamtes der Latscher Menhir (3.300-2.200 v.Chr.) gefunden.
Die aus feinstem Vinschger Marmor gefertigte Stele bildete die Auflagefläche der Altarmensa. Kopf- und Fußpartie sowie Teile der linken Schulter des 107 cm hohen, 77 cm breiten und 12 cm dicken Steines fehlen. Sein ursprünglicher Aufstellungsort befand sich wahrscheinlich im Bereich der heutigen Kirche auf dem Bühel und damit weithin sichtbar. Neben den ikonografischen Zügen, die den männlichen Bildsteinen der Etschtalgruppen eigen ist, wie Girlandengürtel, Lochäxte, Dolche, Keule, Bogen, verschiedene Schmuckelemente und Fransenmantel, treten
Elemente auf, die zur Lombardischen Gruppe aus Valcamonica und dem Veltlin gehören, wie Sonnen, Hirsche und eine stilisierte menschliche Figur. Damit stellt der Latscher Figurenmenhir einen großartigen Beweis für die Jahrtausende alte Verbindung des Vinschgaus beziehungsweise des Etschtales mit den Tälern der nordöstlichen Lombardei dar. Besichtigung/Führungen (kostenlos): Jeden Montag 29.03. bis 25.10.2010 um 15.30 Uhr, Treffpunkt im Tourismusbüro Latsch (Ostern und Pfingsten samstags um 10.00 Uhr).

Schalenstein

Weltweit verbreitet und rätselhaft wie Menhire und Felszeichnungen erscheint heute das Phänomen der Schalensteine.
Auch am Sonnenberg zwischen Kastelbell und Goldrain und im Martelltal sind viele unterschiedliche Schalensteine aufzufinden. Dabei handelt es sich um kleinere und größere von Menschenhand geschaffene Vertiefungen in Fels- und Gesteinsoberflächen. Man findet sie einzeln oder auch in Gruppen, meist an alten Wegtrassen, Wasserläufen und häufig an exponierten Stellen.
Der Beginn der Schalensteinproduktion reicht im Alpenraum archäologisch nachgewiesen bis in die Jungsteinzeit (eventuell sogar in die Mittelsteinzeit) zurück. In der Bronzezeit wurden auch noch Häufig Schalensteine angefertigt. Bis zum Ende der Eiszeit kam es anscheinend zum Abklingen dieses Brauches. Erst im späten Frühmittelalter, als das Christentum bereits weit fortgeschritten war, tritt ein neuer Aufschwung ein. Eine zweite Blüte erlangte dieses Phänomen im Hochmittelalter, um im frühen 18. Jahrhundert endgültig zu versiegen.
Ihre Formen reichen von 3-5 cm großen und 2-4 cm tief eingemeißelten konischen Schälchen, bis zu Rillen, Rinnen, Kreuzen und magischen Vierecken.
Über ihre Funktion wird viel spekuliert. Man denkt an Opferschälchen, Sternenkarten, Sonnen-, Schamanen- und Fruchtbarkeitskultplätzen, eine Art von Felsbildern und Wegzeichen. Vielleicht wollte man auch nur das Steinmehl gewinnen und schrieb ihm heilende und magische Wirkung zu? Oder sollten (wiederverwendete) Schalensteinen vor mittelalterlichen Hauseingängen Hexen fernhalten?

Sonne, Menhir, Schalensteine und Kirchen

Himmel und Himmelskörper wie z.B. der Sonne kommen seit Urzeiten sakrale Funktionen zu. So steht die Sonne in den meisten Religionen für Licht und Gottheit. Der Figurenmenhir von Latsch trägt als einziger Menhir der Etschtalgruppe zwei Sonnen auf seiner Rückseite, welche durch X-förmige Rinnen voneinander getrennt sind.
Latsch ist ein Ort, der im Winter, laut den Forschungsergebnissen des Latschers Hans Tappeiner, eine relativ lange Sonneneinstrahlzeit hat. Denn der Einschnitt des Martelltals liegt so günstig im Sonnenbahnsystem, dass der Lichtkegel der Sonne im Winter Teile von Latsch trifft. Zur Wintersonnenwende trifft er den Kirchturm der Pfarrkirche. Von der Bichelkirche aus gesehen, weist der Taleinschnitt von Martell ein fast exaktes “V“ auf. Der linke Schenkel dieses “V“ läuft jedoch noch unter dem Horizont als Moränenrippe, auf der die Burgen Ober- und Untermontani stehen, weiter. Könnte dies mit der Darstellung am Menhir gemeint sein?
Blickt man von Martell „af’t Heach“ talauswärts, so sieht man auch hier, dass das X in die Landschaft passt. Die Sonne ist noch da, bescheint die Hänge, die „draußen im Vinschgau“ noch Schatten werfen.
Eine fast identische Situation findet man in Plars und Gratsch bei Algund. Dort bildet das Vigiljoch mit seinem Berghang zur Tölll hin ein Profil, das wiederum mit der Sonnenbahnkurve übereinstimmt. Am 1. Dezember und 10. Januar bescheint die Sonne vom Vinschgau aus gerade noch die Pfarrkirche von Plars und St. Verena in Gratsch. Eine weitere Parallele zu Latsch scheint es aber auch im Vorhandensein der vier Algunder Menhire und der sich am Sonnenberg befindlichen markanten Schalensteine zu geben.
Aber auch im Vinschgau ist bei St. Sisinius in Laas mit dem Bergrücken von Prad und dem Einschnitt von Stilfs – sowie St. Veit am Tarscher Bichl mit dem Bergrücken von Calva und dem Einschnitt ins Münstertal – das gleiche Phänomen zu beobachten.
Galten diese Plätze als besondere Orte des Sonnenkultes, welche im Wandel der religiösen Werte nur angepasst wurden.

(Textquelle Dr. Silvia Renhart – Bichlkirche)

Lastminute
Ideal für Menschen, die spontan reisen wollen oder müssen.
Angebote die zu 100% Ihren Urlaubswünschen entsprechen.
Aktuelles Wetter
Urlaub Wetter Südtirol
Temp. min.: 0 °
Temp. max.: 8 °
Das Tief zieht zum Schwarzen Meer, damit steigt in den Alpen der Hochdruckeinfluss.
Kontakt
Tourismusverein
Latsch - Martell
Hauptstrasse 38/a
39021 Latsch (BZ)
Italien / Südtirol

Mail
Tel. +39 0473 623109
Fax +39 0473 622042

Südtirol
Impressum Vinschgau - Nationalpark Stilfserjoch Via Claudia AugustaMartell wirkt! Latsch-Martell - <br />
das Bikerparadies im Vinschgau
Ferienparadies Latsch Martell Südtirol